Meine Philosophie - bitte mit Stil und Niveau!

Annica Springmann im Alltag unterwegs

Es ist nicht einfach, Frauen möglichst realistisch, stil- und niveauvoll zu kopieren, und ist für mich daher eine besondere Kunst.

Man mag nicht glauben, wie schwer es ist, aus einem gewöhnlichen Mann eine authentische Illusion einer attraktiven und überzeugenden Frau zu machen. Das liegt zum einen sicher an den anatomischen Unterschieden, aber auch daran, dass wir Kerle für gewöhnlich unheimlich wenig Ahnung von der Welt der Frauen haben.

Für mich ist die Verwandlung von einem Mann in eine Frau dann gelungen, wenn sie stilvoll, natürlich, elegant und alltagstauglich ist. Als ein wesentliches Element meiner Philosophie betrachte ich es, mich dem jeweiligen Anlass entsprechend zu kleiden. Ich mag es nicht, wenn der Eindruck entsteht, dass ein neuer Straßenstrich eröffnet werden soll, oder wenn das Testosteron und/oder die eine oder andere erotische männliche Wunschvorstellung einen Einfluss auf die Verwandlung hatten.

Wenn sich „Annica Springmann“ in der Öffentlichkeit bewegt, möchte sie keinesfalls auffallen (schon gar nicht negativ) und als Mann im Fummel geoutet werden. Ich hasse das, aber objektiv betrachtet schaut man bei einer 1,85 Meter großen „Frau“ sicher genauer hin.

Meine Einstellung scheint jedoch nicht falsch zu sein, denn ich erhalte zu meiner eigenen Verwunderung sogar sehr viele liebe Komplimente von Männern und Frauen, dabei kommen die von Frauen, die ja in Styling- und Schminkdingen bewandert sind, einem Ritterschlag gleich. Nicht zuletzt, weil Frauen in puncto Auftreten und Aussehen sehr viel kritischer sind. Es gibt sogar Menschen, die überhaupt nicht bemerken, dass hinter der Fassade ein Mann steckt.

Ganz sicher bin ich keine Dragqueen. Es würde mir auch niemals in den Sinn kommen, mich in meinem Alter wie ein achtzehnjähriges Schulmädchen gekleidet in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Meiner Meinung nach ist es keine Kunst, sich tonnenweise buntes Make-up ins Gesicht zu schmieren, eine billige Faschingsperücke aufzusetzen, nachts im extrem kurzen Ledermini mit roten halterlosen Strümpfen seine Doppel-D-Silikonbrüste auf 10 cm hohen Highheels spazierenzustöckeln und sich dabei unheimlich weiblich zu fühlen. Ich selbst finde dies wenig niveauvoll und ziemlich peinlich, aber ich als Transgender bin anderen Menschen gegenüber tolerant. Allerdings bin ich aber auch davon überzeugt, dass das wenig Akzeptanz bei anderen hervorruft. Im Gegenteil! Ein Freund solcher Verwandlungen werde ich daher nie werden.